Der Bäume Wintertraum

Frieren und zittern die Bäume
starrend im Winterrock,
webt ihre Seele Träume
unten im Wurzelstock.

Spinnt und webt in der langen
dämmernden Winterzeit
sich aus Farben und Prangen
bräutlich ein Frühlingskleid.

Steigt zu des Lenzes Festen
heimlich im Stamm empor:
Wunderbar schiebt aus den Ästen
traumhaft, ihr Kleid sich hervor.

Legt, was in Nacht sie gewoben,
strahlend und froh an den Tag!
Jubelt die Sonne nicht oben,
unten der Waldfinken Schlag?

Jakob Bosshart (1862 – 1924)
Schweizer Schriftsteller und Philologe

Quelle: Bosshart, Gedichte, 1924

Bienenwinter

Wie ernst und still ist es in Feld und Wald.
Die Nebel hängen grau und tief und kalt.
Früh geht die Sonne schon zu Bett – ganz sacht,
und morgens schläft beinah sie bis um acht.
Den ganzen Tag steht oft sie wie im Traum.
Sie sieht nicht Feld und Wald, nicht Busch und Baum.
Die Wolken hüllen sie in Schleier dicht,
seht doch ihr bleiches, müdes Angesicht.
O zeig uns doch dein herrlich Leuchten wieder!
Doch Regentropfen rinnen dicht hernieder,
als wollten Erd‘ und Himmel sich vereinen.
Sollt‘ Mutter Erd‘ wohl heimlich leise weinen?

Die Bienen summen nur noch leis‘ – ganz leis‘,
und nur der alte Bienenvater weiß,
dass sie in warmer Traube sich verbinden,
Vereint den kalten Winter überwinden.
Gönnt ihnen gern die wohlverdiente Ruh‘,
deckt jedes Volk warm und behaglich zu.
Horcht, wie sie flüstern leise, wie im Traum,
von neuer Blütenpracht im weiten Raum.
Sie sind das höchste Glück für ihn auf Erden.
Er wird zu pflegen sie nie müde werden,
damit sie hungern nicht und frieren brauchen.
Erst dann wird er in Ruh‘ sein Pfeifchen rauchen.

(Ernst Pinkpank)

Winterzeit – Schneegeflüster im Bienengarten.

Mit Rücksicht begegnen

„Der Mensch sollte ihnen mit Rücksicht begegnen, seinen Sammeltrieb mäßigen und sie keineswegs mutwillig zerstören, auch wenn sie ihm alt, unbekannt, ungenießbar oder giftig erscheinen. Die wunderlichen, nach warmen Sommer- und Herbstregen geheimnisvoll aus dem Boden gezauberten „Männlein im Walde” sind wehrlose, meist freundliche Geschöpfe, die ihr bescheidenes Dasein im Dämmerlicht des Waldes friedlich verbringen möchten.”

Gottfried Amann (1901-1988), deutscher Forstwissenschaftler und Sachbuchautor
Quelle: Über Pilze im Vorwort zu „Pilze des Waldes“, zitiert nach der 6. Auflage, Melsungen 1985, S. 5

Corona-Krise

Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt …   

Die weltweite Corona-Pandemie hat das Leben der Menschen blitzartig verändert. Wirtschaftskrise, Konjunkturrückgang, Kurzarbeit, Massenarbeitslosigkeit, Fake-News, Verschwörungstheorien etc. machen Angst, bedrohen und verunsichern. So Vieles was zuvor noch alltäglich war, ist plötzlich nicht mehr oder nur noch erschwert möglich. Unsere Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, soziale Kontakte auf die Notwendigsten reduziert; Reisen, Feste, Konzerte und Partys sind tabu. Es ist eine Zeit des Verzichts, vieler Einschränkungen und Verbote, deren Ende wir alle schnellstmöglich herbeisehnen.

Bei all den negativen Faktoren, die es gab und gibt, möchte ich Euch in diesem Beitrag meine persönliche positive Erfahrung aus der Corona-Krise berichten. Allgemein finde ich es wichtig, sich bei jeder noch so misslichen Lage nicht nur auf die schlechten Aspekte zu konzentrieren, sondern auch daraus zu lernen und bejahende Erkenntnisse zu beherzigen und in die Zukunft mitzunehmen.


Bee


Für Schwarz-Weiß-Denker

hört die Welt dort auf,
wo sie bunt zu werden beginnt.

(Ernst Ferstl)


Durch die Krise ist mir bewusst geworden, wie wichtig doch Freizeit ist, bzw. Beschäftigung, die glücklich und zufrieden macht. Ich konnte in dem letzten halben Jahr enorm viel Zeit in der Natur, in meinem geliebten Bienengarten verbringen. Seit langem kam ich in den Genuss mich intensiv mit dem zu beschäftigen, was mich mit Freude erfüllt, mich entspannt und mir ein gutes, zufriedenes Gefühl schenkt.

Im Garten habe ich aber nicht, wie jetzt ein mancher vermuten mag, den ganzen Tag in der Sonne gesessen und die Zeit mit Müßiggang verbracht. Ganz im Gegenteil, oft habe ich im Schweiße meines Angesichts bis zum Sonnenuntergang hart geschuftet. Abends war ich dann körperlich total kaputt und müde, aber doch gleichzeitig glückselig und zufrieden über die geleistete Arbeit in der Natur.

Mit dem Vorsatz die Artenvielfalt zu fördern, machte ich mich ans Werk, indem ich in meinem Waldgarten das Angebot an heimischen Pflanzen erweiterte. So pflanzte ich im Frühling zwanzig Schlehen. Die Schlehe auch Schwarzdorn genannt, ist ein echtes Naturschutzgehölz und bietet vielen Vögeln durch ein dichtes, dorniges Strauchwerk Schutz für Nist- und Futterplätze. Die fünfblättrigen weißen Blüten des Strauches sind für viele Insekten eine wichtige Nektarquelle im Frühjahr. Und im Herbst finden die schwarz-blauen, herben Früchte, die wie Minipflaumen aussehen bei Tieren und auch Menschen Anklang.

Zwanzig junge Schlehen (Prunus spinosa) bereichern den Bienengarten.

Im Bienengarten verzichte ich vollkommen auf künstlichen Dünger sowie Pestizide. Gerne darf es auch etwas unaufgeräumt aussehen, so habe ich u. a. eine 20 Meter lange Totholz- oder Benjeshecke angelegt. Diese Hecke bietet vielen Nützlingen Schutz und ein Zuhause. Aktuell konnte ich einen Igel in der Hecke entdecken. Im Garten hängen derweil ein Dutzend Nisthilfen, die ich selbst gebaut habe. Diese helfen den Vögeln zur Brutzeit und auch im Winter als trockener Zufluchtsort.

In den Trockenmauern die ich zum einen zur Hangbefestigung setzte, haben sich neue Tierarten angesiedelt. Verschiedene Insekten wie u. a. die Große Wollbiene (Anthidium manicatum), die wärmeliebend ist und sonnige Plätze mag, nahmen die steinige Behausung freudig an. Aber auch Amphibien wie die Eidechse oder die Kröte fühlen sich auf den wärmenden Sonnendecks oder in den kühlen Verstecken des durchlässigen Gemäuers wohl. Zu meiner großen Freude konnte ich diese und andere neue Gartenbewohner im Sommer auf meinem Areal beobachten und bestaunen.


Honig wohnt in jeder Blume,
Freude an jedem Orte, man muss nur,
wie die Biene, sie zu finden wissen.
(Heinrich von Kleist)*


*(1777 – 1811), Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist,
deutscher Dramatiker, Novellist, Schriftsteller und Erzähler
Quelle: Kleist, H., Briefe. An Wilhelmine von Zenge, 23. September 1800
Foto: © Frank Werner


Vielleicht findet es ein mancher banal, aber wie so oft sind es die kleinen Dinge im Leben die glücklich machen. Was habt ihr Positives in der Corona-Krise erlebt? Gerne könnt ihr Euere schönen Erlebnisse und Momente mitteilen, ob es nun das Innehalten, neue Initiativen, die Hilfe unter Nachbarn, die Solidarität oder sonst ein Ereignis ist, ich bin gespannt auf euere Geschichte und freue mich über jeden Kommentar.

                                … mach Limonade daraus!

Gottes Wunder – Bienendemokratie


Sprichwort im Bild – Quelle: Gay, J., und Menkhoff I., Das große Buch der Bienen. Fackelträger-Verlag, 2012.

Das Sprichwort im Foto hat mich inspiriert ein paar Zeilen zu reimen. ✍

Bienendemokratie

Willst du gelebte Demokratie sehen,
musst du zu den Bienen gehen.
Lerne, wie man mit vereinter Kraft,
wirklich große Dinge schafft.
Kollektiv erforschen, lebhaft diskutieren,
Übereinstimmung finden, Fehler minimieren.
Der Bienenstaat lebt nach dieser Devise,
wenn’s bei uns Menschen doch auch nur so liefe.

Oktober 2020, © Frank Werner

Waldmeister

Der Waldmeister (Galium odoratum) gehört zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) und fühlt sich besonders in schattigen Laubwäldern mit leicht feuchten, nährstoffreichen Böden (gerne kalkhaltig) wohl. Er ist in ganz Mittel- und Nordeuropa heimisch.

Schon in früheren Zeiten (Mittelalter) war das Kraut als Würz- und Heilpflanze sehr beliebt. Das „Wohlriechende Labkraut“ fand Verwendung als Duft/Lufterfrischer, in der Küche und als Arznei. Auch wurde der Waldmeister als „Frauenbettstroh“ bezeichnet und Wöchnerinnen nutzten ihn zum Auffüllen von Betten (Kräuterkissen).

Die Pflanze trägt viele Namen und wird auch „Gliedkraut“, „Herzfreund“, „Maikraut“, „Mäserich“, „Mösch“, „Schumarkel“, „Sternleberkraut“, „Tabakskraut“ , „Teekraut“, „Waldelfenkraut“, „Walpurgiskraut“, „Waldmeier“,  oder „Waldmännchen“ genannt.

Zurzeit blüht der Waldmeister auch im Bienengarten und verströmt einen herrlichen Duft. Dazu möchte ich noch anmerken, dass das künstliche Aroma dem Original um Längen in Duft und Geschmack hinterherhinkt.

Ausschlaggebend für den würzigen Duft ist der Stoff „Cumarin“ der in den Blättern und Stängeln enthalten ist. Cumarin hilft in leichter Dosis bei Migräne und Kopfschmerzen, außerdem fühlt man sich davon schön beschwingt. Also die optimale Zutat für die Maibowle! ?

Doch Vorsicht, Überdosierung führt zum genauen Gegenteil mit Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen. Daher sollten die Blätter nicht zu lange ziehen und auch nicht mehr als 3 Gramm frischer Waldmeister pro Liter für die Maibowle verwendet werden.

Apropos, die Maibowle ist ein alter Liebestrank und schon im Jahr 854 n. Chr. soll der Benediktinermönch „Wandalbertus“ die schönen Worte: „Schütte den perlenden Wein auf das Waldmeisterlein“ geschrieben haben. Die berauschende Wirkung des Trunks sollte ebenfalls wie der „Tanz in den Mai“ die Liebesbereitschaft steigern. ^^

Steckbrief Waldmeister

Botanischer Name: Galium odoratum
Wuchs-Typ: Staude, Rhizom
Wuchshöhe: 20 cm bis 30 cm
Wuchsbreite: 15 cm bis 60 cm
Wuchseigenschaften: Flachwüchsig, Ausläufer
Blütezeit: April bis Juni
Erntezeit: März bis April (Vor der Blüte)
Blütenfarbe: Weiß
Blütenform: Doldentrauben
Blattfarbe: Grün
Blattform: Elliptisch
Standort: Halbschattige bis schattige Standorte mit feuchten, kalkhaltigen und nährstoffreichen Böden
Verwendung als Heilkraut: Nervöse Unruhe, Stress, Migräne, Frühjahrsmüdigkeit, Gelbsucht, Hämorrhoiden, Magenkrämpfe, Leberstauung, Venenerkrankungen
Verwendung als Gewürzkraut: Bowle, Pudding, Kuchen & Torten, Süßwaren, Eiscreme, Getränke

Zu guter Letzt noch ein Waldmeister-Gedicht zum Muttertag:

Mit einem Strauß Waldmeister
Flower 219
Weiß und grün ist mein Strauß,
hübsch bescheiden sieht er aus.
Frisch vom Wald kommt er herein.
Rieche nur, er duftet fein!
Nimm! Vom Frühling ist‘s ein Stück.
Ich wünsche dir Mutter, lauter Glück!

Josef Guggenmos (1922-2003)

Maßlieb im Winter

Was ist das für ein Winter nur!
Kein Schnee, kein Eis auf weiter Flur;
Auf grünem Grund sind ausgestreut
Maßlieb wie um die Sommerszeit.

Ihr kleinen Blumen Anmut reich,
bescheiden ihr und schön zugleich,
Wie freundlich blickt ihr aus dem Grün,
Die ihr so zart seid und so kühn

Johannes Trojan (1837-1915)

 

Anmerkung: Maßlieb = Gänseblümchen

Herbsttag

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

(Christian Friedrich Hebbel, 1813-1863)


Bakira im Blättermeer

Die Bäume im Bienengarten haben schon kräftig Laub abgeworfen und ein bunter Blätterteppich schmückt den Waldboden.

Bakira genießt den Tag im Blättermeer.

An die Bienen

Bienen! Immen! Sumseriche!Bees and Hive
Wer sich je mit euch vergliche,
der verdient, dass man ihn töte!
Dass zumindest er erröte!
Denn, wie ihr in Tal und Berg schafft
ohne Zutun der Gewerkschaft,
ohne dass man euch bezahle,
ohne Streik und Lohnspirale,
täglich, stündlich drauf bedacht,
dass ihr für uns Honig macht,
ihr seid’s wert, dass man euch ehre!
Wobei vorzuschlagen wäre-
ob nun alt ihr, ob Novizen –
euch von heute ab zu siezen!
Unser Dank, unser Applaus
säh in etwa so dann aus:
„Sehr geehrte Honigbienen!
Wir Verbraucher danken Ihnen!“

(Heinz Erhardt)

Von Blüte zu Blüte

Nichts gleicht der Seele so sehr wie die Biene,
sie fliegt von Blüte zu Blüte
wie die Seele von Stern zu Stern,
und sie bringt den Honig heim
wie die Seele das Licht.

Victor Hugo (1802 – 1885), französischer Schriftsteller