Khalil Gibran – Vom Vergnügen


Und nun fragt ihr in eurem Herzen:
„Wie sollen wir das Gute am Vergnügen
von dem unterscheiden, was nicht gut ist?“

Geht auf eure Felder und in eure Gärten,
und ihr werdet lernen,
dass es der Biene ein Vergnügen ist,
Honig aus der Blume zu sammeln,

Aber es ist auch der Blume ein Vergnügen,
ihren Honig der Biene zu geben.

Denn der Biene ist die Blume ein Quell des Lebens,
Und der Blume ist die Biene ein Bote der Liebe,

Und beiden, Biene und Blume,
ist es Bedürfnis und Verzückung,
Vergnügen zu geben und zu nehmen.

Leute, seid in euren Freuden
wie die Blumen und die Bienen.

Khalil Gibran (1883-1931), ein libanesischer Dichter der in den USA lebte,
schrieb in seiner Gedichtsammlung „Der Prophet“ einen Abschnitt über Bienen, Honig und Blumen.

Kältester April seit vier Jahrzehnten!

Der April 2021 hat sich mit außergewöhnlich vielen Frosttagen so kalt gezeigt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Dazu schien häufig die Sonne und Niederschläge blieben daher Mangelware.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) macht am 29. April bekannt, dass dieser April der kälteste seit 40 Jahren sei. Seit 1980 habe es keinen dermaßen kalten April mehr in Deutschland gegeben.

Kirschblüte
Kirschblüte April 2021

Laut DWD:
Der Temperaturdurchschnitt lag mit 6,1 Grad Celsius um minus 1,3 Grad unter dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung sogar minus 2,9 Grad.
Mehr Infos (pdf) vom DWD: Deutschlandwetter im April 2021

Vergissmeinnicht

Freundlich blüht an stiller Quelle
in des Mondes Silberlicht
eine Blume, zart und helle
o verkenn dies Blümchen nicht.

Schimmernd wie des Aethers Bläue
Wenn ihn kein Gewölk umflicht
Ist es ein Symbol der Treue
Das zum Herzen tröstend spricht.

Mild wie deiner Augen Sterne
wie verklärter Unschuld Licht
ruft es warnend aus der Ferne
o vergiss, vergiss mein nicht.

Wenn der Trennung Zähren fließen
folgsam dem Gebot der Pflicht
soll es deinem Pfad entsprießen
bittend. Ach vergiss mein nicht.

Doch geliebte Seele höre
Was aus jedem Blättchen spricht
Ach sein Tau ist eine Zähre
Und sie seufzt: Vergiss mein nicht.

Text von K. Müchler, 1806, Musik von F. H. Himmel – Als der Großvater die Großmutter nahm (1885)*.


*Als der Grossvater die Grossmutter nahm (ein Liederbuch für altmodische Leute) erschien erstmals im Oktober 1885 im Insel-Verlag in Leipzig. Es enthält auf mehr als 540 Seiten die Texte von zahlreichen deutschen Volksliedern und volkstümlichen Liedern und einen ausführlichen Teil mit Anmerkungen zu den Autoren und der Herkunft der Lieder. 922 erschien es in der fünften, veränderten Auflage. Herausgegeben wurde es von Anton Kippenberg und Friedrich Michael.

Der Bäume Wintertraum

Frieren und zittern die Bäume
starrend im Winterrock,
webt ihre Seele Träume
unten im Wurzelstock.

Spinnt und webt in der langen
dämmernden Winterzeit
sich aus Farben und Prangen
bräutlich ein Frühlingskleid.

Steigt zu des Lenzes Festen
heimlich im Stamm empor:
Wunderbar schiebt aus den Ästen
traumhaft, ihr Kleid sich hervor.

Legt, was in Nacht sie gewoben,
strahlend und froh an den Tag!
Jubelt die Sonne nicht oben,
unten der Waldfinken Schlag?

Jakob Bosshart (1862 – 1924)
Schweizer Schriftsteller und Philologe

Quelle: Bosshart, Gedichte, 1924

Bienenwinter

Wie ernst und still ist es in Feld und Wald.
Die Nebel hängen grau und tief und kalt.
Früh geht die Sonne schon zu Bett – ganz sacht,
und morgens schläft beinah sie bis um acht.
Den ganzen Tag steht oft sie wie im Traum.
Sie sieht nicht Feld und Wald, nicht Busch und Baum.
Die Wolken hüllen sie in Schleier dicht,
seht doch ihr bleiches, müdes Angesicht.
O zeig uns doch dein herrlich Leuchten wieder!
Doch Regentropfen rinnen dicht hernieder,
als wollten Erd‘ und Himmel sich vereinen.
Sollt‘ Mutter Erd‘ wohl heimlich leise weinen?

Die Bienen summen nur noch leis‘ – ganz leis‘,
und nur der alte Bienenvater weiß,
dass sie in warmer Traube sich verbinden,
Vereint den kalten Winter überwinden.
Gönnt ihnen gern die wohlverdiente Ruh‘,
deckt jedes Volk warm und behaglich zu.
Horcht, wie sie flüstern leise, wie im Traum,
von neuer Blütenpracht im weiten Raum.
Sie sind das höchste Glück für ihn auf Erden.
Er wird zu pflegen sie nie müde werden,
damit sie hungern nicht und frieren brauchen.
Erst dann wird er in Ruh‘ sein Pfeifchen rauchen.

(Ernst Pinkpank)

Winterzeit – Schneegeflüster im Bienengarten.

Mit Rücksicht begegnen

„Der Mensch sollte ihnen mit Rücksicht begegnen, seinen Sammeltrieb mäßigen und sie keineswegs mutwillig zerstören, auch wenn sie ihm alt, unbekannt, ungenießbar oder giftig erscheinen. Die wunderlichen, nach warmen Sommer- und Herbstregen geheimnisvoll aus dem Boden gezauberten „Männlein im Walde” sind wehrlose, meist freundliche Geschöpfe, die ihr bescheidenes Dasein im Dämmerlicht des Waldes friedlich verbringen möchten.”

Gottfried Amann (1901-1988), deutscher Forstwissenschaftler und Sachbuchautor
Quelle: Über Pilze im Vorwort zu „Pilze des Waldes“, zitiert nach der 6. Auflage, Melsungen 1985, S. 5

Corona-Krise

Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt …   

Die weltweite Corona-Pandemie hat das Leben der Menschen blitzartig verändert. Wirtschaftskrise, Konjunkturrückgang, Kurzarbeit, Massenarbeitslosigkeit, Fake-News, Verschwörungstheorien etc. machen Angst, bedrohen und verunsichern. So Vieles was zuvor noch alltäglich war, ist plötzlich nicht mehr oder nur noch erschwert möglich. Unsere Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, soziale Kontakte auf die Notwendigsten reduziert; Reisen, Feste, Konzerte und Partys sind tabu. Es ist eine Zeit des Verzichts, vieler Einschränkungen und Verbote, deren Ende wir alle schnellstmöglich herbeisehnen.

Bei all den negativen Faktoren, die es gab und gibt, möchte ich Euch in diesem Beitrag meine persönliche positive Erfahrung aus der Corona-Krise berichten. Allgemein finde ich es wichtig, sich bei jeder noch so misslichen Lage nicht nur auf die schlechten Aspekte zu konzentrieren, sondern auch daraus zu lernen und bejahende Erkenntnisse zu beherzigen und in die Zukunft mitzunehmen.


Bee


Für Schwarz-Weiß-Denker

hört die Welt dort auf,
wo sie bunt zu werden beginnt.

(Ernst Ferstl)


Durch die Krise ist mir bewusst geworden, wie wichtig doch Freizeit ist, bzw. Beschäftigung, die glücklich und zufrieden macht. Ich konnte in dem letzten halben Jahr enorm viel Zeit in der Natur, in meinem geliebten Bienengarten verbringen. Seit langem kam ich in den Genuss mich intensiv mit dem zu beschäftigen, was mich mit Freude erfüllt, mich entspannt und mir ein gutes, zufriedenes Gefühl schenkt.

Im Garten habe ich aber nicht, wie jetzt ein mancher vermuten mag, den ganzen Tag in der Sonne gesessen und die Zeit mit Müßiggang verbracht. Ganz im Gegenteil, oft habe ich im Schweiße meines Angesichts bis zum Sonnenuntergang hart geschuftet. Abends war ich dann körperlich total kaputt und müde, aber doch gleichzeitig glückselig und zufrieden über die geleistete Arbeit in der Natur.

Mit dem Vorsatz die Artenvielfalt zu fördern, machte ich mich ans Werk, indem ich in meinem Waldgarten das Angebot an heimischen Pflanzen erweiterte. So pflanzte ich im Frühling zwanzig Schlehen. Die Schlehe auch Schwarzdorn genannt, ist ein echtes Naturschutzgehölz und bietet vielen Vögeln durch ein dichtes, dorniges Strauchwerk Schutz für Nist- und Futterplätze. Die fünfblättrigen weißen Blüten des Strauches sind für viele Insekten eine wichtige Nektarquelle im Frühjahr. Und im Herbst finden die schwarz-blauen, herben Früchte, die wie Minipflaumen aussehen bei Tieren und auch Menschen Anklang.

Zwanzig junge Schlehen (Prunus spinosa) bereichern den Bienengarten.

Im Bienengarten verzichte ich vollkommen auf künstlichen Dünger sowie Pestizide. Gerne darf es auch etwas unaufgeräumt aussehen, so habe ich u. a. eine 20 Meter lange Totholz- oder Benjeshecke angelegt. Diese Hecke bietet vielen Nützlingen Schutz und ein Zuhause. Aktuell konnte ich einen Igel in der Hecke entdecken. Im Garten hängen derweil ein Dutzend Nisthilfen, die ich selbst gebaut habe. Diese helfen den Vögeln zur Brutzeit und auch im Winter als trockener Zufluchtsort.

In den Trockenmauern die ich zum einen zur Hangbefestigung setzte, haben sich neue Tierarten angesiedelt. Verschiedene Insekten wie u. a. die Große Wollbiene (Anthidium manicatum), die wärmeliebend ist und sonnige Plätze mag, nahmen die steinige Behausung freudig an. Aber auch Amphibien wie die Eidechse oder die Kröte fühlen sich auf den wärmenden Sonnendecks oder in den kühlen Verstecken des durchlässigen Gemäuers wohl. Zu meiner großen Freude konnte ich diese und andere neue Gartenbewohner im Sommer auf meinem Areal beobachten und bestaunen.


Honig wohnt in jeder Blume,
Freude an jedem Orte, man muss nur,
wie die Biene, sie zu finden wissen.
(Heinrich von Kleist)*


*(1777 – 1811), Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist,
deutscher Dramatiker, Novellist, Schriftsteller und Erzähler
Quelle: Kleist, H., Briefe. An Wilhelmine von Zenge, 23. September 1800
Foto: © Frank Werner


Vielleicht findet es ein mancher banal, aber wie so oft sind es die kleinen Dinge im Leben die glücklich machen. Was habt ihr Positives in der Corona-Krise erlebt? Gerne könnt ihr Euere schönen Erlebnisse und Momente mitteilen, ob es nun das Innehalten, neue Initiativen, die Hilfe unter Nachbarn, die Solidarität oder sonst ein Ereignis ist, ich bin gespannt auf euere Geschichte und freue mich über jeden Kommentar.

                                … mach Limonade daraus!

Gottes Wunder – Bienendemokratie


Sprichwort im Bild – Quelle: Gay, J., und Menkhoff I., Das große Buch der Bienen. Fackelträger-Verlag, 2012.

Das Sprichwort im Foto hat mich inspiriert ein paar Zeilen zu reimen. ✍

Bienendemokratie

Willst du gelebte Demokratie sehen,
musst du zu den Bienen gehen.
Lerne, wie man mit vereinter Kraft,
wirklich große Dinge schafft.
Kollektiv erforschen, lebhaft diskutieren,
Übereinstimmung finden, Fehler minimieren.
Der Bienenstaat lebt nach dieser Devise,
wenn’s bei uns Menschen doch auch nur so liefe.

Oktober 2020, © Frank Werner