Varroa-Reduzierung mit biotechnischen Maßnahmen nach Ralf Alles

Vortrag vom 17.01.2026 in Rieschweiler
Referent: Ralf Alles
Thema: Erfolgreich imkern mit biotechnischen Maßnahmen
Schwerpunkt: Künstliche Brutpause durch das Käfigen der Königin

Anmerkung: Dieser Beitrag basiert auf meiner Teilnahme am Vortrag von Ralf Alles am 17.01.2026 in Rieschweiler. Die Darstellung erfolgt nach bestem Wissen aus eigenen Mitschriften und stellt keine offizielle oder vollständige Wiedergabe des Vortrags dar.

Grundlegende Voraussetzungen für erfolgreiche Biotechnik
Damit biotechnische Maßnahmen zuverlässig funktionieren, müssen einige elementare Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Standort des Bienenvolkes
  • Behausung und Beutensystem
  • Wärmehaushalt
  • Klima in der Beute
  • Einhaltung des Bee Space
  • Pilzköpfe statt Hoffmann-Seitenteile
  • Angepasster Brutraum
  • Ausgewogene Ernährung der Völker

Imkern wie vor 40–50 Jahren?
Ein einfaches Zurück zu früheren Methoden ist nicht möglich, denn:

  • Das Wetter hat sich deutlich verändert
  • Tier- und Pflanzenwelt haben sich gewandelt
  • Auch die Bienen selbst haben sich verändert
  • Neue Parasiten sind hinzugekommen

Die zwei größten Probleme der heutigen Imkerei

1. Die Varroa-Milbe und die von ihr übertragenen Viren
2. Veränderte Wetterverläufe mit langen Warmphasen und milden Wintern

Übergeordnetes Ziel:

Langfristig sollen durch gezielte Zucht varroaresistenter Bienen, sowohl chemische als auch biotechnische Behandlungen weitestgehend reduziert oder überflüssig werden.

Der Königinnenisolator
Bevor es um die praktische Anwendung geht, hier eine kurze Erklärung zum Aufbau und zur Form des verwendeten Königinnenisolators:

  • Der Isolator besteht aus einem kompletten Holzrahmen mit 1 cm Stärke, dadurch können die Bienen innerhalb des Isolators keine Waben bauen.
  • Die exakten Maße sind weniger entscheidend als die Wirtschaftlichkeit: Aus einem Gitter von 50 × 50 cm lassen sich problemlos zwei Isolatoren herstellen.
  • Bei der Verwendung von Kunststoffgittern sollte unbedingt auf gute Qualität geachtet werden. Günstige Importgitter sind häufig scharfkantig, hier besteht Verletzungsgefahr für die Bienen (Flügel, Beine).
  • Auf einer Seite sind die Gitter fest verschraubt, auf der gegenüberliegenden Seite ermöglichen Ösenschrauben ein flexibles Öffnen des Isolators.
  • Die gerade Seite des Isolators zeigt in Richtung Flugloch, die schräge Seite nach hinten (Kaltbau).
  • Bei Warmbau wäre eine trapezförmige Bauweise sinnvoller.
  • Entlang der schrägen Seite können die Bienen problemlos vorbeilaufen und im Winter ihre Traube bilden.
  • Die Königin hält sich erfahrungsgemäß überwiegend auf der schrägen Seite des Isolators auf.
  • Im Vergleich zu kleinen oder einseitigen Käfigen (z. B. Scalvini-Käfig) bietet der Isolator der Königin deutlich mehr Bewegungsfreiheit.

 

 


Isolation der Königin im Spätsommer
Unkompliziert und problemlos umsetzbar

Chemisch-technische Behandlung

  • Nach der letzten Frühjahrstracht, idealerweise bei einer kurzen Trachtlücke, oft bereits Ende Mai oder im Juni, spätestens jedoch in den ersten Julitagen, wird die Königin in den Isolator gesetzt.
  • Nach 24 Tagen wird die Königin wieder freigelassen. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich alle Varroamilben auf den erwachsenen Bienen.
  • Die Wirksamkeit herkömmlicher Behandlungsmittel ist jetzt am höchsten.
  • Die Sublimation von Oxalsäure wirkt ausschließlich bei Brutfreiheit.

Biotechnische Behandlung mit Fangwabe

  • Nach 17 Tagen wird die Königin auf eine dunkle Wabe freigelassen.
  • Hinter der dunklen Fangwabe befindet sich ein senkrechtes Absperrgitter, sodass die Königin ausschließlich auf dieser Wabe legen kann. Da Varroamilben Brut auf Randwaben ungern befallen, werden vor die dunkle Fangwabe zwei Mittelwände gehängt.

    Von links nach rechts, hinter der Beute stehend,
    ergibt sich folgende Anordnung:
    Thermoschied/Schied – Mittelwand – Mittelwand – dunkle Wabe (Fangwabe) – senkrechtes Absperrgitter – restliche Waben.

  • Die dunkle Wabe dient als sogenannte Fangwabe und konzentriert gezielt die gesamte Brut, und damit den überwiegenden Teil der Varroamilben, auf eine einzige Wabe.
  • Die Königin verbleibt 12 Tage auf der Fangwabe und wird anschließend von dieser entnommen und auf die anderen Waben rechts vom senkrechten Absperrgitter gesetzt.
  • Die Fangwabe und das senkrechte Absperrgitter verbleiben weitere 8–9 Tage im Volk. Zu diesem Zeitpunkt ist die Fangwabe vollständig verdeckelt, und ca. 90 % der Varroamilben befinden sich in dieser Wabe.
  • Die Varroa-Brut befindet sich überwiegend im lila-Augen- bzw. dunklen Augenstadium, ideal für eine echte Befallskontrolle direkt in der Zelle.
  • Die Fangwabe wird entnommen, die Zellen werden geöffnet und mit einem Mikroskop oder einer alternativen 200-fachen Vergrößerung auf Varroavermehrung untersucht.
  • Anhand dieses Ergebnisses lässt sich erkennen, welche Völker gute Resistenzeigenschaften besitzen und nachzuchtwürdig sind. Bei Völkern mit hohem Vermehrungsgrad der Milben wird die Königin abgedrückt und ersetzt.

Grundsätzlich gilt für beide Verfahren

  • Durch die Brutfreiheit können auch weitere dunkle Waben entnommen und durch Mittelwände ersetzt werden, eine sehr einfache und effektive Wabenhygiene.
  • Mittelwände werden zu dieser Zeit besonders gut ausgebaut.
  • Einige Völker legen im Sommer von selbst Brutpausen ein, der Isolator unterstützt diesen natürlichen Vorgang.
  • Varroa-Befall unbedingt kontrollieren! Nicht blind behandeln!

Vorteile der Spätsommerisolation

  • Biotechnische Varroabehandlung möglich
  • Chemische Behandlung hoch effizient durch Brutfreiheit
  • Optimale Wabenhygiene durch Entnahme dunkler Waben und Neuordnung des Brutraums
  • Nach dem Freilassen der Königin beginnt eine sehr intensive Legetätigkeit, wodurch gezielt Winterbienen erzeugt werden. Dabei ist eine sehr gute Pollenversorgung zwingend erforderlich, da Brut, insbesondere für Winterbienen, eine optimale Versorgung mit Proteinen, Aminosäuren und Vitaminen benötigt.

Isolation der Königin über den Winter
Ein Verfahren, das Geduld erfordert und individuell an die eigene Imkerei angepasst werden muss.

Ablauf der Winterisolation

  • Ab Anfang bis spätestens Mitte Oktober wird die Königin in den Isolator gesetzt, meist zwischen Wabe 2 und 3 oder 3 und 4.
  • Nach 24 Tagen ist das Volk sicher brutfrei.
  • Wetterabhängig wird das Volk frühestens 15 Tage nach dem Käfigen oder später ein letztes Mal geöffnet.
  • Der Wintersitz der Bienen muss bekannt sein.
  • Links und rechts vom Isolator werden jeweils mindestens zwei zu etwa ⅔ gefüllte Futterwaben platziert.
  • Danach folgen Schiede (Thermoschiede), angepasst an die Volksstärke.
  • Randwaben und Thermoschiede werden von der Beutenwand abgerückt, um Schimmelbildung vorzubeugen.
  • Milbenbefall prüfen und nur bei Bedarf behandeln.
  • Chemische Behandlungen erzeugen Stress und können zum Verlust der gekäfigten Königin führen.
  • Die Königin bleibt bis Mitte Januar, spätestens erste Februartage im Isolator und wird dann freigelassen.

  • Käfigen:
    Ab Anfang bis spätestens Mitte Oktober wird die Königin in den Isolator gesetzt.

  • Öffnen:
    Wetterabhängig wird das Volk frühestens nach 15 Tagen erneut geöffnet.

  • Freilassen:
    Das Freilassen der Königin erfolgt Mitte Januar, spätestens in den ersten Februartagen.


Vorteile der Winterisolation

  • Simulation eines künstlichen Winters, die Bienen kommen zur Ruhe.
  • Sehr geringer Futterverbrauch ohne Brut.
  • Einwinterung mit ca. 10–12 kg Futter ausreichend.
  • Deutliche Kostenersparnis bei hohen Futterpreisen.
  • Winterbienen bleiben langlebig.
  • Varroa kann sich ohne Brut nicht vermehren.
  • Nach dem Freilassen der Königin starke Legetätigkeit. Volk ist zur Frühtracht bereit.

Häufige Fehler bei der Winterisolation

  • Falsche Einschätzung der Volksstärke
  • Zu viele Waben aus Angst vor Futtermangel
  • Wintersitz der Bienen nicht bekannt
  • Keine Anpassung der Wabenordnung nach dem Käfigen
  • Fehlender Einsatz von Schieden

Fazit

Die Winterisolation ist anspruchsvoll und sollte zunächst vorsichtig getestet werden. Standort, Wetter und Betriebsweise unterscheiden sich stark und erfordern individuelle Anpassungen.

Die Sommerisolation hingegen ist unkomplizierter und problemlos umsetzbar.


Ralf Alles (Schatzmeister & Mitgliederverwaltung,  Landesverband Baden-Württemberg, Buckfastimker-Süd e.V.)

Alljährliche Varroa-Behandlung!

Die Varroamilbe, der schlimmste Feind der Honigbiene

Varroamilbe (Varroa destructor) zu besseren Ansicht extrem vergrößert.

Die Varroamilbe (Varroa destructor) ist ein Parasit, der an Honigbienen lebt. Die erwachsene/geschlechtsreife Milbe ist ca. 1,1 Millimeter lang und 1,6 Millimeter breit. Sie befällt die Bienenbrut und verbreitet dabei Viren. Sie wurde in den 1970er Jahren aus dem tropischen Ostasien eingeschleppt. Die Milbe gilt als der bedeutsamste Bienenschädling weltweit und ist überwiegend für das Sterben von Bienenvölkern verantwortlich. Im Durchschnitt sterben 10 bis 15 Prozent der Bienenvölker pro Jahr durch den Befall mit der Varroamilbe.

Als bedeutsamster Bienenschädling weltweit gilt die Varroamilbe (Varroa destructor), eine Milbe aus der Familie der Varroidae. Sie lebt als Parasit an Bienen, pflanzt sich fort und entwickelt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock.

Varroarmilben in Brutzellen.

Die Varroamilbe schädigt sowohl die ausgewachsenen Bienen als auch die Bienenbrut. Zum einen werden die Bienen von den Milben durch das Saugen der Hämolymphe geschwächt, zum anderen können die Milben weitere Krankheiten auf die Bienen übertragen. Darunter das Akute Bienenparalyse Virus (ABPV), welches das Nervensystem der Biene angreift und das Flügeldeformationsvirus (DWV, Deformed Wing Virus). Beim DWV haben die Bienen im Endstadium einen verkürzten Hinterleib und verstümmelte Flügel. Sieht man in einem Stock solche Bienen, bricht das Volk bald zusammen.

Die Varroamilbe legt ihre Eier in offenen Brutzellen, wo sie sich entwickeln und vermehren. Die Milbe durchbricht mit ihrem Rüssel den Chitinpanzer der Bienenlarve und saugt die Körperflüssigkeit Hämolymphe aus. Dabei gelangen Krankheitserreger über die offenen Wunden in die Bienenlarve und überträgt dadurch unter anderem das ABPV und DWV.

Mehrere Varroarmilben in einer Brutzelle.

Gegen die Varroamilbe verwenden wir ausschließlich organische Mittel, wie Ameisensäure, Oxalsäure und Milchsäure. Diese organischen Säuren hinterlassen keine problematischen Rückstände in den Bienenvölkern. Die Bienen vertragen diese Säuren in geringen Konzentrationen relativ gut. Insbesondere kann es jedoch bei der Behandlung mit Ameisensäure zu Komplikationen kommen. Sind die Voraussetzungen nicht optimal, können u.a. Brutschäden bei den Bienen entstehen, besonders bei zu hoher Temperatur über 30° C. Ameisensäure desinfiziert und zerstört nicht nur schädigende Bakterien, Pilze und Viren, sondern auch wertvolle Mikroorganismen (Antagonisten), die dem Bienenvolk helfen, gesund zu bleiben. Der Zeitpunkt, die Außentemperatur und die Konzentration der Säure spielen bei der Anwendung eine große Rolle für den Erfolg gegen die Milben und auch für die Verträglichkeit für die Bienen.

Für die Verdunstung von Ameisensäure ist die Außentemperatur wichtig. Sie sollte zwischen +10°C und +30°C liegen. Zudem sollte die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch sein. Dauerregen ist kontraproduktiv für die Anwendung. Vor der Behandlung sollte man die Wetterprognose beachten.

Vitale Honigbienen auf den Oberträgern der Rähmchen.

Die Ameisensäure-Behandlung (60%ige Ameisensäure) führen wir nach der letzten Honigernte im Jahr durch. Bei uns am Bienenstand meist im August/September. Zur Verdampfung der Säure verwenden wir einen Langzeitverdunster (Nassenheider-Professional®). Bei diesem Verfahren wird die Säure über eine Dauer von 10 bis 14 Tagen (kompletter Brutzyklus) in relativ konstanter Konzentration verdunstet, sodass sie sich im Stock über den gesamten Zeitraum gleichmäßig verteilt. Die Verdunstung von Ameisensäure ist auch für Imker, die biologisch produzieren, erlaubt und verspricht den größten Erfolg.

Die 60%ige Ameisensäure, sowie die Nassenheider-Verdunster stehen bereit.

Gegen Ende des Jahres führen wir noch eine Behandlung mit Oxalsäure durch. Die Ausbreitung der Varroa dämpfen wir zusätzlich mit biologischen Verfahren wie dem Herausschneiden von Drohnenbrut ein, sowie über Brutentnahme für die Ablegerbildung. Zur Behandlung der frischen Ableger verwenden wir Milchsäure.

Diese Behandlungen müssen jedes Jahr neu gemacht werden, um die Bienenvölker, gesund und am Leben zu erhalten.

Mittlerweile machen Imker mit dem Ziel varroatolerante Bienen zu züchten immer größere Fortschritte. Sie beobachten die Bienen, ob sie sich putzen und so von der Varroamilbe befreien können (Grooming), auch ob sie infizierte Brut erkennen und ausräumen. Diese Eigenschaft nennt man Varroa-Sensitive-Hygiene (VSH). Die Bienenvölker, die auf diese Weise die Varroamilbe bekämpfen, werden bewusst vermehrt.

So ist für die Zukunft zu hoffen, dass sich durch Selektion eine Honigbiene entwickelt, die sich selbst gegen die Varroramilbe durchsetzen bzw. wehren kann.